Gratis-Strom am Wochenende – Kommt das auch nach Deutschland? © Gemini
Veröffentlicht am 31/03/2026 um 15:20 von der Redaktion

Gratis-Strom am Wochenende – Kommt das auch nach Deutschland?

Wer würde da nicht zugreifen: Strom zum Nulltarif für ein paar Stunden am Wochenende, einfach mal das E-Auto aufladen oder die Wäsche durchlaufen lassen. Aber was steckt eigentlich hinter dieser “Happy Hour” und könnte das bald auch in Deutschland Realität werden?

In Österreich sorgt derzeit ein Energieanbieter für Aufsehen: Gutmann lockt von April bis August 2026 seine Kunden mit einer Aktion, die sich wie ein Traum anhört. Immer samstags, sonntags und an Feiertagen zwischen 12 und 16 Uhr gibt’s den “Strom gratis”. Die Sache hat allerdings ihre Tücken – und die spannende Frage ist, ob und wann wir so ein Modell bei uns erleben könnten.

Wie funktioniert die Gratis-Strom-Aktion?

Das Prinzip ist simpel: Während der “Happy Hour” wird die tatsächlich verbrauchte Energie, die im Haus oder beim E-Auto über den Netzanschluss läuft, von Gutmann nicht berechnet. Voraussetzung: Es muss ein moderner Smart Meter installiert sein. Vor allem Solar-, Wind- oder Wasserkraft liefern in dieser Zeit oft viel mehr Strom, als gebraucht wird – weil Unternehmen weniger Strom abnehmen und die Netze schnell an ihre Grenzen stoßen.

Laut dem Energieexperten Ralf Walther von Tibber profitieren dabei vor allem die, die ihren Verbrauch gezielt in diese Zeit verlagern können, etwa beim Waschen oder Laden des E-Autos. Er sagt:

"Wer seinen Verbrauch gezielt in diese Zeiten verlagert, nutzt nicht nur günstige Energie, sondern hilft gleichzeitig, das Stromnetz zu stabilisieren und erneuerbare Energien besser zu integrieren."

Genau das ist das Ziel: Die vielen überschüssigen Kilowattstunden zur Mittagszeit sollen nicht das Netz überlasten, sondern bei den Verbrauchern landen.

Bringt das wirklich so viel – und ist das Modell für Deutschland machbar?

Hört sich super an, oder? Aber so einfach, wie es klingt, ist es nicht. Denn “Gratis-Strom” bedeutet nur, dass der eigentliche Energiepreis entfällt. Die Netzentgelte und der monatliche Grundpreis müssen trotzdem weiter gezahlt werden. Selbst wer 500 Kilowattstunden, etwa durch das Verschieben von Waschmaschinengängen, in die kostenlose Zeit legt, spart so – im Vergleich zur Jahresrechnung – nur einen kleinen Betrag. Dr. Peter Vest, früher Chef bei Yello Strom und heute Mitgründer von Starqstrom, sagt hierzu offen:

"Man darf die Einsparpotenziale nicht überbewerten. [Auch ein Haushalt mit E-Auto kann nur einen Teil des Verbrauchs verschieben]." Und auch sonst gilt: "Energie zum Nulltarif gibt es eigentlich nicht."

Für Deutschland ist die Einführung solcher Gratis-Angebote besonders knifflig. Die Abrechnung nach Verbrauch in dynamischen Zeitfenstern funktioniert nur mit Smart Metern. Allerdings gibt es hierzulande rund 860 verschiedene Netzbetreiber, und laut Einschätzung der Experten können höchstens "vielleicht zehn Prozent" aktuell wirklich so exakt abrechnen. Zwar müssen laut Gesetz bis spätestens 2032 alle Haushalte mit den digitalen Messsystemen ausgerüstet sein – doch, wie Dr. Vest betont: "[Der Rollout läuft extrem schleppend]."

Automatisierung und die Zukunft flexibler Stromtarife

Um das volle Potenzial auszuschöpfen, ist echte Flexibilität gefragt – und zwar automatisch. Ralf Walther bringt es auf den Punkt:

"Nur wenn die Steuerung automatisiert ist, wird Flexibilität wirklich alltagstauglich und skalierbar."

Erst wenn smarte Systeme im Haushalt (HEMS) zum Einsatz kommen, die Geräte clever steuern und etwa die Waschmaschine starten, sobald der günstige Tarif aktiv wird, klappt’s irgendwann vielleicht wirklich mit dem “Gratis-Strom” bei uns. Bis dahin bleibt es vor allem bei Marketingaktionen, die manche Kunden zum cleveren Schieben ihres Stromverbrauchs animiert – und uns allen zeigen, welche Rolle Technik künftig spielen dürfte.

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Verwendete Quelle:

Strom gratis: Diese "Happy Hour" lockt Kunden – das steckt dahinter