„Hier sitzen wir alle zusammen in einem Boot“: Merz bremst Trump bei Handelsstreit aus

Als Donald Trump in Washington scharfe Töne gegen Spanien anschlägt, reagiert Bundeskanzler Friedrich Merz deutlich. Warum steht Europa plötzlich im Fokus – und wie kam es zu Trumps Drohung?
Die Kulisse in Washington täuscht über die Anspannung hinweg: Bei öffentlichen Auftritten wirken der deutsche Kanzler Friedrich Merz und US-Präsident Donald Trump fast harmonisch. Doch abseits der Kameras gerät das gemeinsame Mittagessen zum Wendepunkt. Vor Journalisten hatte Trump seine Kritik an Spanien bereits offen herausgestellt. Madrid hätte sich im Zusammenhang mit den US-Angriffen auf iranische Ziele „schrecklich verhalten“, wie Trump sagte. Laut ihm habe Spanien den USA sogar die Nutzung seiner Stützpunkte untersagt – eine glasklare Ansage, die für Aufregung sorgt.
Trump droht mit Ende des Handels mit Spanien
Für Schlagzeilen sorgt neben Trumps deutlichen Worten eine konkrete Drohung: Die USA könnten, wenn es nach Trump geht, das Handelsverhältnis zu Spanien abrupt kappen. Wörtlich erklärt der Präsident:
„Einige europäische Länder wie Spanien haben sich schrecklich verhalten“
Und fügt hinzu:
„Spanien hat tatsächlich gesagt, dass wir ihre Stützpunkte nicht nutzen dürfen.“
Mit diesen Aussagen verschärft Trump innerhalb weniger Sätze den Ton – nicht nur gegenüber Spanien, sondern auch gegenüber der Europäischen Union.
Merz widerspricht: Kein Deal ohne die gesamte EU
So viel Konfrontation lässt Friedrich Merz nicht unkommentiert stehen. Im vertraulichen Gespräch beim Mittagessen – so schildert es der Kanzler selbst später in der Sendung Tagesthemen der ARD – bringt er Trump auf den Boden europäischer Realitäten zurück. Merz berichtet:
„Ich habe ihm sehr deutlich gesagt: Du kannst hier keinen isolierten Vertrag mit Deutschland abschließen oder einen Vertrag mit ganz Europa, aber Spanien nicht. Hier sitzen wir alle zusammen in einem Boot.“
Die Verhandlungsbasis ist eindeutig:
„Und als solches führen wir Verhandlungen über ein Zollabkommen mit den USA nur gemeinsam oder gar nicht.“
Damit verweist Merz auf die Regeln, nach denen in der EU einzig die Kommission das Mandat für Handelsgespräche mit Drittstaaten innehat; Einzelstaaten können keine Nebendeals aushandeln.
ARD, EU-Regeln und das politische Kalkül
Der Vorfall zeigt: Der Ton wird rauer, sobald die Kameras aus sind. Hinter verschlossenen Türen bleibt wenig Raum für diplomatische Floskeln – vielmehr geraten nationale und supranationale Interessen in Konflikt. In der ARD betont Merz nochmals, wie strikt die Mechanismen in der EU sind, und dass die Gemeinschaft keinen Präzedenzfall zulassen werde. Die Kommission führt sämtliche Verhandlungen im Namen aller 27 Mitgliedsstaaten. Das Verhalten der USA rückt die Frage in den Vordergrund, wie geschlossen Europa in künftigen Handelsfragen auftreten kann – und ob Trumps Vorgehen die Einigkeit der Union auf die Probe stellen könnte.
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Verwendete Quelle:
Donald Trump: Merz zu Trump: Handelsvertrag mit der EU oder gar nicht