Schiff nähert sich einem Buckelwal: Doch dann holt der Koloss aus!

Neugieriger Wal
© Life Force Ecology
Neugieriger Wal

Das Schiff der NGO Life Force Ecology, die sich für den Schutz von Walen einsetzt, hat sich einem Buckelwal genähert. Mit beeindruckenden Folgen, wie sich kurz danach herausstellt.

Buckelwale sind sehr neugierige Tiere – dem sollte man sich bewusst sein, wenn man durch Gewässer fährt, in denen sie leben. Sie sind nicht aggressiv und es kommt manchmal vor, dass Taucher das Glück haben, ein paar Meter weit mit ihnen zu schwimmen oder sie unter Wasser zu berühren. In einem Fall hat ein Wal eine Taucherin gar vor einem Hai gerettet.

Wal vor der Küste Kanadas

Daher fuhr das Schiff der kanadischen Organisation Lifeforce Ocean Friends, die auf den Schutz von Walen spezialisiert ist, sorglos aufs Meer vor dem Hafen von Comox in der kanadischen Provinz Britisch-Kolumbien hinaus und blickte entspannt der Ankunft einer kleinen Gruppe von Walen entgegen.

Aber das Zusammentreffen hielt eine Überraschung für sie bereit. Nachdem einer der Meeresriesen mehrfach den Kopf aus dem Wasser gehoben hatte, ist er ein wenig zu nah an das Schiff herangekommen.

Fenster geht zu Bruch

Auf dem Video von der Begegnung sieht man wie der Wal eine Fontäne ausstößt und im Vorbeischwimmen mit seinem Kopf gegen eines der Fenster des Schiffes schlägt. Dieses geht unter der Kraft des 20 Tonnen schweren Wals sofort zu Bruch. Peter Hamilton, der Präsident des Vereins, sagt zu der Begegnung:

Dieser Wal hat den Kopf vielleicht ein wenig zu weit aus dem Wasser gehoben, um zu sehen, was da vor sich ging, was das für ein seltsames schwimmendes Objekt war. Dieses Exemplar war wohl etwas tollpatschiger als die anderen.

Keine Seltenheit

Nachdem der Wal sich den Kopf am Schiff gestoßen hatte, hob einer der Wale es leicht mit seiner Rückenflosse an. „Ich habe den Motor des Schiffes abgeschaltet, um das Schauspiel zu beobachten, und ich konnte verschiedene Verhaltensweisen feststellen“, erklärt Hamilton, der seit drei Jahren das Verhalten von Walen und Orkas vor der Insel von Vancouver studiert.

Es passiert relativ häufig, dass Wale, die von Natur aus neugierig sind, vorbeifahrenden Schiffen einen Besuch abstatten. Es ist jedoch illegal, solche Begegnungen bewusst herbeiführen zu wollen.

Wal schlägt mit Flossen aufs Wasser

Normalerweise stoßen die Wale, die sehr auf ihre Umgebung achten, nicht mit den Schiffen zusammen. „Diese Art von Begegnungen kann zwischen einer und sechzig Minuten dauern. Sie sind etwa zwanzig Minuten lang in der Nähe geblieben“, fährt Hamilton fort.

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Buckelwale sind erhabene Tiere George Karbus Photography@Getty Images

Diese Art von Zusammentreffen hat Peter Hamilton in einem Zeitraum von etwas über drei Jahren zum zehnten Mal erlebt. Die Wale sind häufig in kleinen Gruppen mit drei oder vier Individuen unterwegs und es ist häufig zu beobachten, dass sie mit ihren Flossen auf die Wasseroberfläche schlagen und dann auf ihre typische Art und Weise abtauchen. Hamilton sagt weiter:

Dieses Verhalten ist nicht ungewöhnlich – ich habe gewartet, bis sie aufhörten, ums Schiff zu kreisen und begannen, sich zu entfernen. Dann habe ich den Motor angelassen und bin langsam weggefahren.

Bedrohte Art trotz vermehrtem Nachwuchs

Die Anzahl der Buckelwale steigt in den letzten Jahren dank großer Schutzbemühungen wieder. Aktuell gibt es wieder ca. 35.000 Exemplare. Aber Peter Hamilton betont, dass dies angesichts der zahlreichen Gefahren für diese Tiere, die im Erwachsenenalter so groß werden können wie ein Bus, kein Grund dafür ist, den Schutz einzuschränken.

„Segelboote müssen mindestens 100 Meter Abstand von den Buckelwalen halten. Das gilt umso mehr, wenn sie klein sind. Ich hoffe, dass dieser unbeabsichtigte Unfall es ermöglichen wird, dass man mehr über den Schutz der Wale spricht, die letzten Endes immer noch wilde Tiere sind. Und sie können manchmal unerwartete Reaktionen an den Tag legen“, unterstreicht er, sagt aber zugleich über die Verantwortlichkeit für den Unfall: „Die Wale tragen keine Schuld, denn wir sind schließlich die Besucher in ihrem Lebensraum.“