"Das zeigt, dass Raumfahrt Made in Germany wirklich etwas zählt"
Mit dem Start der Mission „Artemis 2“ hebt die bemannte NASA-Kapsel Orion ab – ein Ereignis, das auch an eine Fernsehlegende der 60er erinnert. Was steckt hinter dem historischen Flug zum Mond?
Seit Jahrzehnten träumen Menschen davon, wieder zum Mond zu fliegen. Jetzt ist es so weit: Die Crew der Mission „Artemis 2“ ist auf dem Weg in Richtung unseres Nachbarplaneten, und mit an Bord der Orion sitzen vier Astronauten: Reid Wiseman, Victor Glover und Christina Koch aus den USA sowie Jeremy Hansen aus Kanada. Erstmalig seit mehr als 50 Jahren sind damit wieder Menschen auf direktem Kurs zum Mond – das letzte Mal, dass eine Crew ihm so nahe kam, war 1972 während Apollo 17.
Gestartet ist die 98 Meter hohe Space Launch System (SLS) Rakete vom berühmten Kennedy Space Center in Cape Canaveral – ein Ort, der für viele immer noch für große Heldentaten der Raumfahrt steht. Der Start erfolgte um 18:35 Uhr Ortszeit, allerdings mit einer kleinen Verzögerung, die allen Beteiligten den Puls noch mal steigen ließ. Für viele ist das ein Déjà-vu: Wer in den 60ern Kind war, dem kommt vielleicht eine deutsche TV-Serie rund um ein Raumschiff aus dieser Zeit in den Sinn.
Vier Astronauten und ein Ziel: Einmal Mond und zurück
So läuft das Abenteuer ab: Zunächst umrundet die Crew einmal die Erde, dann nimmt Orion Kurs auf den Mond – das Ziel ist ehrgeizig. Die gesamte Mission dauert rund zehn Tage und bringt die Astronauten auf eine Distanz von bis zu 406.000 Kilometern von der Erde weg, weiter als je eine bemannte Mission zuvor. Diese Flugbahn bedeutet: Selbst die berühmte Apollo-13-Mission kam „nur“ auf ungefähr 400.000 Kilometer.
Die Technik muss stimmen: Nur dreieinhalb Stunden nach dem Start trennt sich die Orion von der Raketenoberstufe, ab dann sind die Astronauten wirklich auf sich allein gestellt. Besonders spannend: Die Crew testet den Handbetrieb der Steuerung, ein echter Belastungstest. Die Orion-Kapsel wird von Lockheed Martin gebaut, das Servicemodul (Antrieb, Wasser und Sauerstoff) stammt aus der Airbus-Fertigung in Bremen und der Hitzeschild wird bei der Rückkehr getestet.
Kleine Schrecksekunde kurz nach dem Start: Die Kommunikation zwischen Crew und Bodenkontrolle setzte kurz aus. NASA-Chef Jared Isaacman erklärte später:
„Die Crew habe die Stimmen aus dem Kontrollzentrum hören können, aber die Mitarbeiter im Kontrollzentrum hätten die Astronauten nicht hören können.“ Problem gelöst, weiter geht’s!
Weltweiter Wettlauf: Die Konkurrenz schläft nicht
Günstig ist das Projekt nicht: Jeder Start der SLS verschlingt zwei bis vier Milliarden Dollar. Das komplette Artemis-Programm hat laut Expertenschätzungen seit 2012 bereits mindestens 93 Milliarden Dollar gekostet. Warum dieser Aufwand? Einerseits geht es um wissenschaftliche Erkenntnisse – die Systeme an Bord werden permanent auf Zuverlässigkeit, Navigation und Lebensfähigkeit getestet. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) bringt dabei spezielle Messinstrumente ein, um die Strahlenbelastung auf die Crew zu ermitteln. Johannes Weppler vom DLR findet:
„Das zeigt, dass Raumfahrt Made in Germany wirklich etwas zählt, auch in den USA.“
Artemis steht aber auch für den erneuten Anspruch der USA auf Führung im All – gerade angesichts wachsender Konkurrenz aus China. Bis 2030 wollen die Chinesen selbst mehrfach unbemannte, später auch bemannte Missionen zum Mond schicken. Die nächste Stufe der Artemis-Offensive ist bereits geplant: 2027 soll mit „Artemis 3“ erstmals ein Landemodul von SpaceX und Blue Origin im Mondorbit an die Orion andocken. Für 2028 peilt die NASA dann die Rückkehr von Menschen zum lunaren Südpol an.
Space-Feeling wie in den 60ern: Die Faszination der deutschen TV-Serie
Der Name Orion erinnert zudem viele an legendäre Fernsehunterhaltung aus den 60er Jahren – die Faszination für das Weltall war schon damals äußerst präsent. Sehnsüchte und Fantasien über Menschen auf dem Weg zu anderen Himmelskörpern verbanden Generationen. Auch heute fiebern viele noch mit, wenn eine internationale Crew Aufbruch wagt, neue Technik ihren Härtetest besteht und Abenteuerlust rund um den Mond erneut Realität wird.
Mit „Artemis 2“ wird diese Faszination wieder ganz aktuell: Generationenübergreifend auf der ganzen Welt verfolgen Zuschauer, was auf der Mission passiert – und vielleicht sitzt irgendwo jemand, genau wie damals als Kind in den 60ern, wieder gespannt vor dem Fernseher und fragt sich, was die Crew vom Abenteuer berichten wird.
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Verwendete Quelle:
"Artemis 2" gestartet: Bemannte Raumkapsel auf dem Weg zum Mond