„Ich wusste genau, worauf ich mich einlasse“ – Wie ein AfD-Abgeordneter zu seinem Mitarbeiter steht © @andreasjurca.afd
Veröffentlicht am 02/04/2026 um 11:50 von der Redaktion

„Ich wusste genau, worauf ich mich einlasse“ – Wie ein AfD-Abgeordneter zu seinem Mitarbeiter steht

Ein bayerischer Landtagsabgeordneter der AfD sorgt für große Diskussionen, weil er trotz Verurteilung wegen Vergewaltigung an seinem Mitarbeiter festhält. Wie erklärt Andreas Jurca seine Entscheidung, und was steckt hinter dem Fall?

Unerwartete Personalentscheidungen in der Politik machen immer wieder Schlagzeilen – doch was ist passiert, wenn ein bayerischer AfD-Abgeordneter einen verurteilten Straftäter weiter beschäftigt? Der Skandal um Andreas Jurca und dessen langjährigen Mitarbeiter schlägt hohe Wellen im politischen München und weit darüber hinaus. Die Augsburger Allgemeine hat aufgedeckt, dass der Parlamentarier seit Jahren einen Mann in seinem Team hat, der 2023 nach sieben Monaten Untersuchungshaft vom Amtsgericht Augsburg zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt wurde – und zwar wegen Vergewaltigung. Nicht irgendein Verdacht, sondern zwei Taten, die laut Anklage 2022 stattfanden: einmal im gemeinsamen Urlaub, einmal in der Wohnung des Paares. Im Prozess gestand der Mann die Taten.

Ein Urteil, das Fragen aufwirft: Die Hintergründe der Verurteilung

Die Justiz spricht klare Worte: Nach Aussage einer Polizeibeamtin erschien die Geschädigte im Prozess als „absolut glaubwürdig“. Die Ermittlungen wurden unter anderem durch Chatprotokolle untermauert, die mit den Angaben der Betroffenen übereinstimmten. Laut den Angaben im Gerichtsurteil bestätigte der Angeklagte die Vorwürfe – vor dem Hintergrund einer sogenannten „Verfahrensabsprache“ zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Nach Informationen der Augsburger Allgemeine liegt das Urteil der Redaktion vor. Trotz der eindeutigen Sachlage entschied sich Jurca nach eigener Aussage ganz bewusst dafür, den Mann 2023 weiterhin in seinem Team zu beschäftigen, nachdem er von der „Vorstrafe“ erfahren hatte. Seine Begründung:

„Ich wusste genau, worauf ich mich einlasse.“

Zu Zweifeln an der persönlichen Integrität seines Mitarbeiters äußerte Jurca: „überhaupt keine Zweifel“, insbesondere „was Frauen betrifft.“ In seinen Augen handle es sich vielmehr um ein tragisches „Beziehungsdrama“.

Politischer Spielraum oder moralische Verantwortung?

Jurca steht mit seiner Haltung nicht allein. Der betroffene Mitarbeiter beruft sich auf Unstimmigkeiten im Verfahren und sagt dazu: Er habe das Urteil akzeptiert, um nach der langen Untersuchungshaft möglichst schnell wieder für seine Familie da sein zu können, und betont „Ungereimtheiten“ im Zusammenhang mit den Vorwürfen. Eine Sprecherin des bayerischen Landtags erklärte gegenüber der Zeitung, dass die Einstellung von Angestellten grundsätzlich „eigenverantwortlich durch das jeweilige Mitglied des Landtags als Arbeitgeber“ erfolge. Zugleich trägt aber der Abgeordnete auch die Pflicht, dass durch die von ihm beschäftigten Personen „keine Gefährdung für die Sicherheit und Integrität des Parlaments“ ausgehe. Eine Prüfung des Führungszeugnisses ist nicht vorgeschrieben; damit hat also jeder Abgeordnete – egal welcher Partei – einen weiten Spielraum bei seinen Personalfragen.

Eine Debatte um Vertrauen, Verantwortung und Transparenz

Gerade in Zeiten wachsenden Misstrauens gegenüber der Politik und unter kritischer Beobachtung aller Parteien entfacht dieser Fall erneut die Diskussion darüber, inwieweit persönliche Einschätzungen von Politikern über Berufsethik und gesellschaftliche Erwartungen stehen dürfen. Es bleibt die Frage stehen, wie viel Vertrauen eine Partei und ihre Abgeordneten mit solchen Entscheidungen tatsächlich verdienen – und ob Politiker in solchen Fällen ihrer besonderen Verantwortung gegenüber dem öffentlichen Amt gerecht werden. Die Öffentlichkeit und politische Gegner werden Jurca und seinen Mitarbeiter weiter aufmerksam beobachten. Doch für den Abgeordneten scheint festzustehen:

„Es ist nicht das Richtige, wenn ich ihn fallen lasse, wo ich weiß: Der Mann ist kein Vergewaltiger.“

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Verwendete Quelle:

Bayerischer AfD-Landtagsabgeordneter beschäftigt seit Jahren verurteilten Vergewaltiger