Wagenknecht wirbt für Zusammenarbeit mit AfD und Regierungsbeteiligung

Wagenknecht wirbt für Zusammenarbeit mit AfD und Regierungsbeteiligung
© @ sahra_wagenknecht
Wagenknecht wirbt für Zusammenarbeit mit AfD und Regierungsbeteiligung

Ein Paukenschlag in der Parteienlandschaft: Sahra Wagenknecht fordert ein Ende der Ausgrenzung der AfD und kritisiert die gängige Praxis der Brandmauer scharf. Ihre Worte sorgen deutschlandweit für Diskussionen – und bergen politischen Sprengstoff.

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Ist das das Ende der ewigen Abgrenzung? Sahra Wagenknecht, die bekannte Gründerin des Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW), sorgt zum wiederholten Mal für Aufsehen. In einem Gastbeitrag für die Ostdeutsche Allgemeine plädiert sie ausdrücklich dafür, der AfD künftig nicht mehr kategorisch die Tür zu verschließen. Sie nennt die vielzitierte Brandmauer“ gegen die AfD einen „demokratischen Irrweg“ und geht noch weiter: Gerade Ächtung und Ausgrenzung, so Wagenknecht, seien es, „die Radikalisierung fördern“. Was steckt hinter diesem Paradigmenwechsel – und was bedeutet das für das politische Klima, besonders im Osten?

Brandmauer unter Beschuss: Argumente und Fehleranalyse

Laut Wagenknecht ist das Festhalten an der Brandmauer gegenüber der AfD kontraproduktiv. Sie argumentiert:

„Ächtung und Ausgrenzung fördern Radikalisierung, Regierungsaussichten fördern Anpassung.“

Ausgerechnet die ständige Ablehnung der AfD trage dazu bei, deren Sympathisanten noch weiter zu treiben. Für viele Ostdeutsche sei der Begriff „Mauer“ ohnehin doppelt aufgeladen – viele erinnern sich an die offizielle Bezeichnung der Berliner Mauer als „antifaschistischer Schutzwall“. Wagenknecht hält solche Abschottung für fehl am Platz und wiederholt: Die Brandmauer sei „ein demokratischer Irrweg“.

Rückblickend übt die BSW-Chefin auch Selbstkritik:

„Es war ein schwerer Anfängerfehler des jungen BSW, sich ebenfalls auf eine Brandmauer-Koalition eingelassen zu haben.“

Ihrer Ansicht nach habe sich die Partei dabei von den etablierten Akteuren „über den Tisch ziehen“ lassen und „kurzfristig viel Sympathie verspielt“. Doch daraus habe der BSW gelernt:

„Wir werden diesen Fehler nicht wiederholen.“

Künftig werde man keine Koalitionen mehr mit Parteien eingehen, die an der Brandmauer-Strategie festhalten. Ob das eine Tür zur AfD öffnet, lässt sie bewusst offen – eine BSW-Sprecherin stellt zwar am 8. März 2026 klar: Man habe in der Vergangenheit wiederholt jede Koalition mit der AfD ausgeschlossen. Doch die Debatte ist in vollem Gange.

Wahlergebnisse, Ostdeutschland und der „feine Spürsinn für Propaganda“

Die aktuelle Diskussion ist kein Zufall – die nächsten Landtagswahlen stehen bevor, unter anderem im September 2026 in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Besonders im Osten, so Wagenknecht, sei die Unterstützung für AfD und neue politische Projekte groß. Sie führt das auf die Erfahrungen aus DDR-Zeiten zurück: Die Menschen hätten „ein besonders feines Gespür für Propaganda“. Mit Blick auf die aktuellen Medien schreibt Wagenknecht:

„Wer damit aufgewachsen ist anzuzweifeln, was die 'Aktuelle Kamera' allabendlich verkündet, wird sich auch von der 'Tagesschau' nicht so leicht einen Bären aufbinden lassen.“

Bei den Landtagswahlen 2024 feierte der BSW laut den Quellen erstmals Erfolge: „knapp zwölf bis knapp 16 Prozent“ in Brandenburg, Thüringen und Sachsen, während die AfD jeweils „um die 30 Prozent“ erzielte. Im Gegensatz dazu schaffte es der BSW bundesweit nur „sehr knapp“ nicht in den Bundestag. Für die aktuelle Landtagswahl in Baden-Württemberg am 8. März 2026 gehen die Prognosen laut Medien davon aus, dass der BSW „klar an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern“ wird. Auch für die kommenden September-Wahlen seien die Chancen „laut jüngsten Umfragen“ schlecht, den Einzug ins Parlament zu schaffen.

Wer aber wählt nun AfD? Laut Wagenknecht geht es den Wählern

„nicht um neuen Faschismus, sondern erschwingliche Preise, bessere Bildung für seine Kinder, weniger Kriminalität und Migration, kurz: ein Deutschland, das wieder funktioniert, in dem sich gut und sicher leben lässt und das international geachtet und nicht ausgelacht wird.“

Die etablierte Politik habe offenbar keine überzeugenden Antworten darauf gegeben – zumindest aus Sicht der vielen Ostdeutschen, die sich alternative Wege wünschen.

Bürgerregierungen: Unabhängige Experten statt Parteipolitik

Für die Zeit nach den kommenden Landtagswahlen bringt Wagenknecht einen ganz anderen Vorschlag ins Spiel. Sie fordert sogenannte „Bürgerregierungen“, also Regierungen, in denen nicht Berufs-Politiker das Sagen haben. Stattdessen sollen „anerkannte Persönlichkeiten mit Berufserfahrung im jeweiligen Ressort“ die Verantwortung übernehmen. Wagenknechts Idee:

„Eine Bürgerregierung würde im Parlament jeweils in der Sache um Mehrheiten werben.“

Damit will sie parteipolitische Taktik in den Hintergrund drängen und die Sacharbeit ins Zentrum rücken. Parteigrenzen sollen keine festen Blockaden mehr sein. Ob sich dieser Vorschlag durchsetzt, bleibt abzuwarten – fest steht: Der Vorschlag bricht mit den bisherigen Regeln des politischen Betriebs in Deutschland.

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