„Außergewöhnlich“: Chinas neuer Mechaniker für den Mond im Rampenlicht
China schickt einen einzigartigen „Mechaniker“ zum Südpol des Mondes. Was steckt hinter diesem Roboter, der den nächsten großen Schritt auf dem Erdtrabanten wagen soll?
Die Raumfahrt bekommt Zuwachs – und zwar von einer echten Attraktion: Eine chinesische Forschungsallianz hat einen brandneuen, menschenähnlichen Roboter präsentiert, der als „Mechaniker“ im Rahmen der Mission Chang’e 8 ab 2029 auf dem Mond zum Einsatz kommt. Ein bauchiges Blechgesicht mit zwei geschickten Roboterarmen, montiert auf vier mächtigen Reifen – so etwas gab es bislang noch nie in einem Raumfahrtprogramm. Vom typischen Rover-Look hebt sich das Modell durch seinen humanoiden Oberkörper und seine vier Räder deutlich ab.
Hinter dem Hightech-Gerät steckt Teamwork auf hohem Niveau: Ganze 30 chinesische Universitäten und Organisationen tüftelten gemeinsam an dieser Innovation, federführend unter der Leitung der Akademie für Raumfahrttechnologie in Shanghai, einer Zweigstelle der China Aerospace Science and Technology Corporation. Der neue Roboter soll auf Mons Mouton, einem Berg mit flachem Gipfel im Südpolgebiet des Mondes, Instrumente und Messgeräte transportieren und installieren – also richtig mit anpacken, wo Menschen noch nicht landen wollen. Die Vorgänger-Mission im Jahr 2024 war schon für Aufsehen gut: Damals sammelte China erstmals Proben auf der Rückseite des Mondes ein.
Ein Roboter, der anpackt: Technik trifft Ausdauer
Bis Chang’e 8 tatsächlich abhebt, liegt noch etwas Zeit vor Chinas Raumfahrt. Doch schon jetzt sorgt der Roboter für Staunen, gerade weil er statt sechs nur vier Räder hat. Laut der Akademie für Raumfahrttechnologie in Shanghai reicht das völlig aus, um „Hindernisse zu überwinden, deren Höhe mehr als das Doppelte des Radradius beträgt“. Die Räder sind für den Sprung über Geröll und Krater gerüstet – und die Arme? Die sind richtig schlau programmiert: Ein gemeinsames KI-System sorgt dafür, dass beide Hände perfekt zusammenarbeiten.
Gao Yang, Professorin an der Universität für Wissenschaft und Technologie in Hongkong, schwärmt gegenüber dem South China Morning Post von den besonderen Fähigkeiten: „Außergewöhnlich“. Sie meint zudem:
„Die Koordination der beiden Arme des Roboters ist komplex. Er hat die Aufgabe, wissenschaftliche Instrumente zu greifen und abzulegen, die von anderen Partnern der Mission bereitgestellt werden.“
Hightech aus Fernost also, die sogar internationale Partner zum Staunen bringt. Die Steuerung läuft über Künstliche Intelligenz, die Objekte erkennen und nach Plan greifen kann, selbst auf unübersichtlichem Terrain. Dazu kommen Bildverarbeitung aus der Ferne und 3D-Karten, damit der Roboter jedes Hindernis clever umkurven kann.
Herausforderung Mondnacht: Zwei Jahre im Eis
Der Arbeitsalltag für den neuen Mondmechaniker wird härter als die Nachtschicht in jeder Werkstatt: Während einer Mondnacht, die satte 330 Stunden dauert, fallen die Temperaturen auf bis zu minus 180 Grad Celsius. Tagsüber kann es hingegen bis zu 120 Grad heiß werden. An all das ist der Roboter angepasst. Er soll mindestens zwei Jahre durchhalten, also 24 von diesen ultralangen Nächten. Das setzt robuste Technik voraus und verlangt jeder Schraube etwas ab. Chinas Mission Chang’e umfasst damit nicht nur technische Innovation am Rande des Möglichen, sondern auch einen ersten echten Langzeittest für humanoide Roboter im All. Die internationale Konkurrenz? Beobachtet Chinas Fortschritte mit großem Interesse.
Auch Interessant:
Deutsche Passagiere der Hondius nach Hantavirus-Ausbruch zurück in Deutschland
Streit um „KI-Steuerberater“ in Berlin bringt Branche ins Wanken
„KI-Sucht ist kein Science-Fiction mehr“: Forscher warnen
Verwendete Quelle:
La Chine dévoile un robot humanoïde pour sa future mission lunaire Chang’e 8 - Geo.fr